Uiuiui, Du hast aber ein ziemlich elitäres Kunstverständnis.
Ich glaube, das ist vor allem in Deutschland ein ziemlich verbeitetes Phänomen; ich lehne das jedenfalls grundsätzlich ab.
Zitat:und ich glaube auch nicht, dass es im interesse guter musik ist, dass sie quasi von „jedermann“ gehört wird, da sie (philosophisch gesehen) genau in diesem moment keine gute musik mehr wäre. ich denke als künstler will man musik für liebhaber machen, nicht für die masse.
Ich denke eher, als Künstler will man so viele Leute erreichen und auf irgendeine Art berühren wie nur möglich.
Ich kann mir auch beim besten Willen kein Gegenbeispiel vorstellen, welches das Publikum nicht automatisch als "zu blöd für seine Kunst" ansehen würde.
Und wenn man so allgemeine Verurteilungen des Publikums anstellt, kommt es ganz schnell zu Sachen wie dem völlig maßstabslosen "Des Kaisers neue Kleider"-Phänomen, wenn Du verstehst, was ich meine. (Beispiel: Da spannt dann jemand eine unbemalte Leinwand auf nen Rahmen und erklärt das für Kunst - und unterstellt gleichzeitig jedem, der damit nichts anfangen kann oder will, ein schlechtes Kunstverständnis.)
Popmusik ist nicht per se schlecht und Musik muss auch nicht anspruchsvoll sein, um gut zu sein - aber sie kann.
Wirklich schlecht ist einfallslose Musik ohne Seele.
Gute Kunst macht ja nicht allein das "Handwerk" aus, denn das kann sich jeder irgendwie zulegen, wenn er genug Ehrgeiz aufbringt.
Gute Kunst ist für mich berührend (das schließt auch sehr viel kitschigen Schund mit ein), persönlich (damit fallen schonmal Fließband-Pop-Produktionen raus), und "wahr" (das trennt die Spreu vom Weizen, bedeutet aber auch für jeden etwas anderes

).
Eine astreine Produktion und perfektes Handwerk sind für keinen dieser Punkte zwingend notwendig.
Da du anscheinend rein elektronische Musik machst (die üblicherweise ohne Text geschweige denn Botschaft (verallgemeinert) auskommt), wirst Du das eventuell nicht nachvollziehen können, da in diesem Bereich erst durch die Technik die Musik überhaupt funktioniert.
Ich bin auch der Meinung, dass
jeder Mensch dazu in der Lage ist (oder sein sollte), Kunst zu machen, in welcher Form auch immer.
Um an das anzuschließen, was ich oben geschrieben habe: Ich glaube, vor allem das Bildungssystem in Deutschland ist derart kreativitätsfeindlich, dass Kindern hier schon in jungen Jahren jegliche Lust am "sich kreativ ausleben" genommen wird. Und wer selbst nicht kreativ ist, kann auch anderer Kunst gegenüber nicht mit "wirklichen Maßstäben" kritisch sein (außer mit Vorurteilen ("dieses Genre ist scheiße") und vagen Vermutungen). So gesehen sind mir auch Menschen, die sagen, sie hören einfach, "was ihnen gefällt", lieber, als Leute, die eine Musikrichtung für die einzig wahre halten und deshalb alles andere vorverurteilen.
Zu deinem Beispiel mit der "anderen Musik, die zum Standard wird, wenn alle sie mögen": Ich denke, wir beide meinen mit "anderer Musik" sehr verschiedene Dinge; in meiner Traumwelt

würde es keinen "Standard" geben, der den Leuten sagen würde, wie Musik zu klingen hat. Stattdessen würde die Musik anhand der Ideen, die drin stecken, beurteilt werden, wodurch eben genau dieses einfallslose Kopieren vorhandener Sachen zum Scheitern verurteilt wäre.
Bevor ich mich totschreibe, hier ein Link einem sehr lesenswerten Essay zu dem Thema - leider nur auf Englisch:
http://www.paulgraham.com/goodart.html (How Art Can Be Good)
...und hier noch etwas zum Thema "guter Geschmack":
http://www.paulgraham.com/taste.html (Link zur deutschen Übersetzung ganz unten auf der Seite)
Ja, so viel also zu meiner Sicht der Dinge, ich hoffe, das alles war nicht zu wirr.
